Heinreichs

Anger- bzw. Platzdorf; die heutige Dorfanlage ist ein Ergebnis der frühen Neuzeit.

Herkunft/Bedeutung des Ortsnamens : „Siedlung eines Mannes mit dem althochdeutschen Namen Heinreich“

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1417 im Urbar von Hardegg, Pulkau und Schrems als „Hainreichs“.

Damals hatte der Ort 2 Höfe, 13 Lehen und 1 Hofstatt. Der Ort gehörte mit allen Rechten zur Grundherrschaft Schrems. 1594 wurde er von Amalia Römer auf Grünau erworben. Der spätere Besitzer von Grünau Sebastian Stockhorner errichtete in den Dreißigerjahren des 17. Jahrhunderts in Heinreichs ein Schloss mit Herrschaftssitz. Der Ort dürfte um diese Zeit starke Verödungstendenzen aufgewiesen haben, denn noch 1673 hatte Heinreichs nur mehr 8 gestiftete Häuser (1595 waren es noch 16 gewesen). Die Herrschaft hatte auch ein eigenes Landgericht. Diese Richtstätte befand sich auf dem Galgenberg zwischen Jaudling und Eschenau. Die Stockhorner blieben auch während der Gegenreformation protestantisch. Trotzdem ließ die Witwe von Johann Friedrich, Anna Appolonia Stockhorner, eine geborene Geyer von Geyersberg und Osterburg, nach überstandender Pest eine Kapelle zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit errichten und stellte für diese 1690 einen Revers aus, in dem sie sich zur Erhaltung derselben verpflichtete und die Jurisdiction der katholischen Pfarrkirche in Vitis unterstellte.

Der barocke Bau und die Ausstattung der Kapelle übertrifft jene der anderen Dorfkapellen. Hintergedanke der adeligen Gründerin scheint auch die Errichtung einer Begräbnisstätte für die eigene Familie gewesen zu sein. Die Gründerin selbst wurde ohne religiöse Zeremonien 1705 in der noch ungeweihten Kapelle beigesetzt. Ihren Nachfolgern wurde eine Beisetzung in der Gruft der Kapelle von katholischer Seite verwehrt. Herzstück der Inneneinrichtung ist der frühbarocke Altar mit dem aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Bild der Heiligen Familie. Dazu kommen die barocken Schnitzfiguren der Heiligen Maria mit Kind und des Heiligen Nepomuk. Die Holzempore beim Ausgang mit Belndenbogengliederung und Engelsköpfen war ursprünglich der adeligen Gründerfamilie vorbehalten. 1900 wurde die Kapelle renoviert und mit einem Stiftskämmerer von Klosterneuburg , Norbert Süß, ein prachtvolles barockes Altarbild des „Heiligen Sebastian und die Frauen“ aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.

1761 verkauften die Stockhorner Heinreichs und verließen als letzte protestantische Adelige Niederösterreich. Die herrschaftliche Verwaltung wurde nach Schrems gezogen. Das Schloss selbst wird auf die neugebildeten Ganzlehenhäuser Nr. 1 und Nr. 51 aufgeteilt. Ein Gebäudekomplex nördlich des Schlosses wird dem neuen Ganzlehenhaus Nr. 45 zugeteilt. Die Scheunen des Meierhofes werden auf die vorgenannten Lehenshäuser aufgeteilt. In den Gartenanlagen des ehemaligen Areals werden das Kleinhaus Nr. 52, das Halblehenhaus Nr. 40 und das Viertellehenhaus Nr. 44 errichtet.

Im 18. Jahrhundert entstanden viele Kleinhäuser. Die Bewohner dieser Objekte betrieben durchwegs in Heimarbeit Weberei und Zwirndrehen im Rahmen des protoindustriellen Verlagswesens. 1847 kommt es, für uns heute unvorstellbar, in Heinreichs zu Hungerkrawallen. Die Kartoffelfäule vernichtete die Kartoffelernte, damit auch das Hauptnahrungsmittel der Kleinhäusler. Weiters drückte die durch den Einsatz von Maschinen modernisierte Industrie die Löhne der handarbeitenden Weber und machte sie teilweise verdienstlos. „Größere Unruhen wurden durch die außerordentliche Wohltätigkeit der besser Bemittelten dieser Gegend hintangehalten“.

Um 1840 gab es in Heinreichs 2 Pferde, 123 Ochsen, 102 Kühe, 2 Ziegen und 50 Schweine.

Am Ende der Herrschaftszeit gehörten alle Häuser zur Grundherrschaft Schrems. Das Haus Nr. 28 war das herrschaftliche Wirtshaus. Nr. 66, das 1847 und 1848 errichtete Schuldhaus. Es wurde 1992 als Jugendgästehaus umgebaut und wird als solches vom Fremdenverkehrs-, Kultur- und Verschönerungsverein Heinreichs betrieben.

1928 hatte Heinreichs 2 Gastwirte, einen Dachdecker, Schuhmacher, Tischler und Wagner, sowie eine Gemischtwarenhandlung und eine mechanische Stickerei.

An der Landesstraße in Richtung Jaudling steht die sogenannte „Pestsäule“. Es handelt sich dabei um einen Granitbildstock aus dem 16. Jahrhundert in Form einer Säule mit tordierenden Kanneluren vom Kruzifix bekrönt. Es ist das älteste Flurdenkmal im Bereich der heutigen Marktgemeinde Vitis.